Freitag, 31. August 2012
Rotiert das Universum?
Untersuchungen von zunächst 18000 Galaxien und später dann 300.000 Galaxien ergaben, dass ihre Drehrichtung nicht gleichverteilt sind, sondern es sieben Prozent mehr Galaxien gibt, die um Uhrzeigersinn rotieren. Das kann kein Zufall sein und könnte darauf hinweisen, dass das Universum selbst rotiert, wie welt.de berichtet:

Ein Forscherteam von der Universität von Michigan hat 600 Millionen Lichtjahre weit ins All geblickt. Die sechs Wissenschaftler um den Physiker Michael Longo in Ann Arbor haben sich dabei 18.000 Galaxien des nördlichen Sternenhimmels vorgenommen. Ziel war herauszufinden, in welche Richtung sich die Galaxien drehen.

Dabei stießen die Astronomen auf ein Missverhältnis: Es bewegen sich sieben Prozent mehr Galaxien links- als rechtsherum. "Dass dieser Überschuss purer Zufall ist, halten wir für so gut wie ausgeschlossen", so Longo. "Das wäre so, als würfen sie 10.000mal eine Münze und erhielten sieben Prozent mehr Kopf als Zahl. Das ist extrem unwahrscheinlich!"

Wenn nicht der Zufall Grund dafür ist, dass sich die Mehrheit der Galaxien im Uhrzeigersinn dreht, muss es dafür eine andere Ursache geben. Jemand oder etwas muss den Galaxien einen Schubs verliehen haben, und zwar überwiegend den gleichen Schubs, in die gleiche Richtung.

"Der Urknall selbst muss einen Spin gehabt haben, der einen sich drehenden Kosmos entstehen ließ", mutmaßt Longo. Da die wenigsten Explosionen völlig homogen und in alle Richtungen gleichmäßig ablaufen, erscheint die Möglichkeit solch eines Drehimpulses plausibel. Die Galaxien hätten sich dann kaum gegen diesen Sog der Rotation des Raums wehren können und sein Drehmoment übernommen...

Doch es gibt Kritik an den Messmethoden der amerikanischen Astronomen. So bezweifelt Jürgen Kerp vom Argelander Institut für Astronomie in Bonn die Aussagekraft der Untersuchungen: Die Stichprobe sei viel zu klein. "18.000 Galaxien klingt viel, aber wir haben Milliarden von Galaxien im Universum", gibt Kerp zu Bedenken.

Eine solche Stichprobe eigne sich nicht dazu, eine so weitreichende Aussage zu treffen. "Tatsächlich gesehen ist das ein winziger Ausschnitt aus unserem Universum", so der Bonner Astrophysiker.

Mittlerweile hat ein zweites Astronomenteam von der Lawrence Technological University in Southfield die Messungen bestätigt. Die Wissenschaftler aus dem US-Bundesstaat Michigan haben statt 18.000 diesmal mehr als 300.000 Galaxien untersucht – und kamen zum selben Ergebnis: Es scheint ein bevorzugtes Drehmoment von Galaxien zu geben – das jedoch auch ganz woanders herkommen könne, so Jürgen Kerp, nämlich aus Zusammenstößen von Galaxien.

"Wir können mit dem Hubble Space Teleskop beobachten, wie Galaxien kollidieren und miteinander verschmelzen." Diese Zusammenstöße seien so stark, dass sie bisweilen ganze Galaxien zerstören und sich aus den Überresten der Kollison neue Gebilde formieren. "Wie die sich dann drehen, liegt ausschließlich ab von der Art und Weise, wie die Vorgängerobjekte aufeinander gestoßen sind", so Kerp...

"Das ist natürlich möglich", gibt Michael Longo zu. Es wäre jedoch schwer nachzuvollziehen, warum ein so großes wie das von seinem Team untersuchte Gebiet Galaxien mit der einen Drehrichtung hervorgebracht haben soll und Galaxien sich außerhalb davon andersherum drehen. "Dafür gibt es kein Modell," so der US-Astronom.

Für Michael Longo und seine Forscherkollegen aus Michigan sind die Messungen ein erster Hinweis auf die Drehung des Weltalls insgesamt. Und dies käme einem ersten indirekten Nachweis der Existenz eines schon lange postulierten Hyperraums mit weiteren Universen gleich.

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